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Die Zuhörer ans Meer gelockt

Die Zuhörer ans Meer gelockt [ Meldung vom 19.03.2010 ] Tages-Anzeiger

Tim Krohn las am Dienstag in Uster aus seinem neuen Roman «Ans Meer». Die Distanz zwischen ihm und dem Publikum war gering.
Von Wilma Hahn.

Uster - Jens liebt Regeln und fixe Abläufe. Josefa ist eine Veränderungsfanatikerin. Selbst eine Wohnungseinrichtung bedeutet für sie eine Einbusse ihrer Freiheit. Die Beziehung zwischen Jens und Jo, wie Josefas Spitzname lautet, ist nicht etwa ein Vater-Tochter-Verhältnis. Auch nicht eine Liebespartnerschaft. Nein, Jens ist Jos 11-jähriger Sohn, der - wie es scheint - eher für die Mutterrolle geeignet ist als sie. Jens ist ein Bub mit vielen Wünschen. Neben besseren Schulnoten träumt er vor allem von einer Reise an die Ostsee, wo Jo mit ihrer Familie und derjenigen ihrer Schulfreundin Anna glückliche Wochenenden verbrachte. «Ans Meer» erzählt die Geschichte dieser beiden Familien. Krohn berichtet von Sehnsüchten, Wünschen und Schuldgefühlen der Protagonisten. Durch unterschiedliche Erzählperspektiven ermöglicht er einen intimen Einblick in das Innenleben seiner Romanfiguren.

Kein Glarnerdeutsch
Genauso persönlich wirkte der Glarner an der Lesung im «Hut». Die Distanz zwischen ihm und dem Publikum war gering. Er setzte sich nicht hinter den kleinen Tisch, sondern lehnte sich leger an die Tischkante. Es schien, als habe er die Passagen, die er an diesem Abend präsentierte, vor seinem inneren Auge. Krohn fesselte die zahlreich erschienenen Literaturbegeisterten durch Rhythmuswechsel und durch seine melodiöse, ja beinahe singende Stimme. Zugute kommen ihm vermutlich seine deutschen Wurzeln. Denn Krohn liest in einem mustergültigen Hochdeutsch. Nicht zu deutsch, nicht zu schweizerisch. Beinahe Hörbuch-tauglich. Er, der das Schweizer Literaturherz mit Geschichten in entzückendem Glarnerdeutsch verzaubert hat, verbannte in «Ans Meer» die Dialektsprache in die Kombüse. Umso eigenwilliger sind dafür die Charaktere. (Tages-Anzeiger)

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